die dynamische Bildwelt digitaler Photogramme
Äußerlich betrachtet glaubt man im Photogramm jenseitige Bildersphären zu betreten. Tatsächlich liegt diese befremdlich wirkende Lichtwelt viel näher als es zunächst scheint. Hat sie ihren eigentlichen Ort in der Oberfläche nicht nur der photographischen Schicht, sondern potentiell in jeder äußeren Schicht eines Gegenstandes, der mit Licht in Berührung kommt. Das Photogramm kommt also nicht aus der Ferne. Vielmehr waltet es als verborgener Untermieter mittelbar in der Welt der alltäglichen Dinge. Auseinandersetzung mit dem Photogramm bedeutet so nichts anderes als hinabzusteigen in das Souterrain jenseits der Oberflächlichkeit. Die digitale Technik entrückt diese souterrestrischen Gefilde noch eine Spur weiter weg von der Anschaulichkeit. Die Zeit entreißt hier das Photogramm aus den Klauen einer rein räumlichen Licht-Objekt-Konstellation. Durch den sich in der Zeit ereignenden Prozeß des Abtastens eines Scanners ist es möglich, Position, Gegenstand und Licht während des Bildentstehungsprozeß zu variieren. Ein derart exponiertes Objekt kann so paradoxerweise von verschiedenen Seiten beschienen werden. Dynamik und Bewegung bemächtigen sich so des sich generierenden Bildes. Das digitale Souterrain begeht mit seinem Erscheinen zugleich Verrat an seinem elektronischen Erzeuger. Ihm das Abgetastete und Ausgelesene doch anzusehen. Das Gelesenwerden ist freilich nur der erste Schritt, denn um in Erscheinung zu treten, muß das Bild wieder geschrieben werden. Das zuvor ertastete Bild läßt nun einen Elektronenstrahl über die Lochrasterzeilen eines Monitors gleiten, lenkt den Farbstrahl eines Iris-Gyclée-Printers oder wird gar für kurze Zeit wieder zu Licht in einem Datachromebelichter. powered
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